APRAXIE

Kommunikative Gesten
Apraxie des Werkzeug und Objektgebrauchs

 

Der Begriff Apraxie kennzeichnet Störungen der Handlungsplanung, bei denen Fehlhandlungen in bestimmten Domänen des Handelns mit normaler Geschicklichkeit anderen Domänen kontrastieren. Die ursächlichen Läsionen für die Apraxien sind vorwiegend in der linken Hirnhälfte lokalisiert und zumeist haben die Patienten mit Apraxie auch eine Aphasie.
Die von der Apraxie betroffenen Domänen des Handelns sind das Imitieren von Gesten, die Ausführung kommunikativer Gesten und der Gebrauch von Werkzeugen und Objekten. Während Schwierigkeiten beim Imitieren von Gesten im Alltag kaum auffallen, beeinträchtigen die Störungen kommunikativer Gesten und des Werkzeug- und Objektgebrauchs die Selbstständigkeit der betroffenen Patienten.

Kommunikative Gesten

Die in der kognitiv neurologischen Untersuchung zumeist für die Diagnose der Apraxie geprüften Gesten sind die Pantomimen des Objektgebrauchs. Dabei soll die Handbewegung des Gebrauchs von Gegenständen gezeigt werden ohne dass der Gegenstand selbst in die Hand genommen wird. Die Pantomime des Objektgebrauchs ist eine kommunikative Geste, denn die Handbewegung kann von anderen Personen verstanden werden und verweist auf Gegenstand und Gebrauch. Zum Beispiel wird eine Drehung der zum Spitzgriff geformten Hand als Darstellung des Aufsperrens eines Schlosses mit einem Schlüssel verstanden. Störungen der Pantomime des Objektgebrauchs sind ein Hinweis auf eine allgemeine Unfähigkeit, Gesten als Ersatz für Sprache kommunikativ zu verwenden. Diese Unfähigkeit wird alltagsrelevant, wenn die betroffenen Patienten zusätzlich zur Apraxie schwere Aphasien haben, denn sie beraubt sie einer Möglichkeit, den Mangel an sprachlichen Ausdruck zu kompensieren.

Apraxie des Werkzeug und Objektgebrauchs

Schwierigkeiten und Fehlleistungen im Umgang mit alltäglichen Gegenständen sind ein Symptom von Schädigungen des linken Scheitellappens. Sie können durch Schlaganfälle oder durch degenerative Demenzen verursacht sein. Unter den degenerativen Demenzen sind sie vor allem für zwei Sonderformen, der posterioren kortikalen Atrophie und dem kortikobasalen Syndrom, charakteristisch.
Die betroffenen Patienten können nicht mehr mit alltäglichen Objekten umgehen. Sie halten den Schlüssel mit dem Griff statt dem Bart zum Schloss, ritzen Papier mit der geschlossenen Schere anstatt es zu schneiden oder versuchen, mit der Gabel Suppe zu schöpfen. Patienten mit Schlaganfällen gelingt es meist, die Fertigkeiten wieder zu erlernen, während der Verlauf bei degenerativen Demenzen in Richtung der Verschlechterung geht.
Anders als der Gebrauch einzelner vertrauter Objekte, der nur bei Patienten mit linkshirnigen Läsionen gestört ist, machen bei mehrschrittigen Handlungen mit mehreren Objekten, wie zum Beispiel dem Zubereiten von mehrteiligen Gerichten, auch Patienten mit rechtshirnigen Läsionen und mit degenerativen Demenzen Fehler.