DIE KOGNITIV NEUROLOGISCHE UNTERSUCHUNG

Ausgangspunkt der kognitiv neurologischen Untersuchung sind die Auskünfte der Patienten und ihrer Angehörigen über Probleme und Auffälligkeiten im Alltag. Wenn nicht schon geschehen, wird auch eine organneurologische Untersuchung durchgeführt und werden apparative und Labor Hilfsuntersuchungen, insbesondere eine Magnetresonanztomographie eingeleitet. Auf Grund dieser Angaben und Vorbefunde wird die Fragestellung der Untersuchung eingeengt und der Untersuchungsgang geplant.

Aufgaben zur gezielten Überprüfung psychischer Leistungen

Die eigentliche kognitiv neurologische Untersuchung besteht aus Aufgaben, die gezielt psychische Leistungen prüfen. Solche Aufgaben sind zum Beispiel das Benennen von Bildern, das Lernen von Wortlisten und Texten, Kopieren von geometrischen Zeichnungen etc.

Die Auswahl der Aufgaben wird individuell an die Probleme der Patienten angepasst und im Laufe der Untersuchung weiter verfeinert. Wenn zum Beispiel berichtet wird, dass ein Patient eine schwere Gedächtnisstörung hat und im Alltag die Orientierung verliert, werden seine Gedächtnisleistungen primär mit dem Wiedererkennen von konkreten Bildern geprüft, weil diese Aufgabe auch noch geringe Reste von Gedächtnisleistungen nachweisen kann. Ist die Frage hingegen, ob überhaupt eine Gedächtnisstörung besteht, kommen anspruchsvollere Aufgaben wie das Lernen einer Wortliste zum Einsatz, die geeignet sind, auch geringe Einbußen objektiv zu beurteilen. Die laufende Anpassung der Aufgaben an die Beobachtungen und Resultate erfordert von Seiten der Untersucher umfassendes Wissen über die möglichen kognitiv neurologischen Störungen, Erfahrung in der Beurteilung von Leistungen und nicht zuletzt aufmerksames Zuhören und Beobachten, denn manche Symptome kommen in der kommunikativen Interaktion der Untersuchung deutlicher zum Vorschein als in den dabei erhobenen Testbefunden. Solche schwer normierbaren aber wichtigen Befunde betreffen zum Beispiel die Auswirkungen eines dysexekutiven Syndroms auf soziales Verhalten oder der spontane Einsatz nichtsprachlicher Kommunikation zur Kompensation von Wortfindungsstörungen bei Aphasien.